TAMARA LORENZ Prinzipiell Logik (15.2.-19.4.2013)

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Fotos: Tamara Lorenz

Tamara Lorenz did not develop the minimalistic installation for VITRINEN as a sculptor but actually as a photographer, as an “operator” in front of and behind the camera. When subtle gestures and graphic traces of the artist enter into an interplay with the vitrine structures, when (light) shadows and reflections, space and surface optically interlace – new realities are created.

Originating from one of the vitrine structure’s inscribed logic, which with the arrangement of surfaces in geometric forms (triangles, right angles, trapezoids) makes the inclusion of minimalistic sculptures visible, Lorenz symbolises her own view of the world. She creates temporary beauties via imprecisions, the run of paint and drips and last but not least undermines mathematical strictures and calculabilities and the clarity of forms by dint of curves and roundings as well as a breakup in the shift of dimensions – indeed the uniqueness of the things.

Lorenz’ s interest is in a radical constructivist approach and therein the absolute subjectivity of perception. Perception is never objective. Perception is always construction. This approach led her to formulate the title and geometry “in principle” inherent logic itself ad absurdum ironically flouting the objectivity of the natural sciences.

The artist quite freely uses the roles and expectations of geometry as well as those of an art context. As subject matter of the non-objective painting of the early 20th century, (for instance Suprematism and its intellectual-theoretical underpinnings) geometric forms were bound up in utopian claims of being capable of creating a completely new secular conception of the world. Spirituality and political revolutions were among the solemn guiding principles of geometry-based art. In the 1960s minimalism, based on the most simple, basic geometrical structures striving for objectivity, clarity and logic was posited as the counter-reaction to gestural painting.

Tamara Lorenz avails herself sympathetically of both languages – that of logic and that of pathos not, however, without thwarting the extreme with a combination of lightness, wit and irony and locating herself somewhere between perhaps, the here and now, between truth and reality in order lastly to honour the beauty of the incompleteness of the everyday.

 

Nicht als Bildhauerin entwickelt Tamara Lorenz die minimalistische Installation für die Vitrinen in der rubensstrasse42, sondern als Fotografin, als „Operateur“ vor und hinter der Kamera. Wenn subtile Gesten und grafische Spuren der Künstlerin in Wechselwirkung mit der Vitrinenstruktur treten, wenn sich (Licht-)Schatten und Spiegelungen, Raum und Fläche optisch verschränken, entstehen neue Realitäten.

Ausgehend von einer der Vitrinenstruktur eingeschriebenen Logik, die mit der Einteilung der Flächen in geometrische Formen (Dreiecke, Rechtecke, Trapeze) und der Einbeziehung minimalistischer Skulpturen sichtbar gemacht wird, versinnbildlicht Lorenz ihre eigene Sicht auf die Welt: Indem sie Ungenauigkeiten, Farbverläufe und Farbnasen zulässt, provisorische Schönheiten schafft und nicht zuletzt die Klarheit der Formen durch Krümmungen und Rundungen sowie eine Verschiebung der Dimensionen aufbricht, untergräbt sie die mathematische Strenge und Berechenbarkeit, ja die Eindeutigkeit der Dinge.

Lorenz‘ Interesse gilt einem radikal konstruktivistischen Ansatz und damit der absoluten Subjektivität von Wahrnehmung. Wahrnehmung ist nie objektiv. Wahrnehmung ist immer Konstruktion. Mit dieser Annahme führt sie die im Titel formulierte und der Geometrie „prinzipiell“ innewohnende Logik selbst ad absurdum und setzt sich ironisch über die Objektivität der Naturwissenschaft hinweg.

Ganz frei bedient sich die Künstlerin der verschiedenen Rollen der und Erwartungen an die Geometrie, auch jener aus dem Kunstkontext. Als Bildgegenstand der ungegenständlichen Malerei des beginnenden 20. Jahrhunderts, wie dem Suprematismus mit seinem intellektuell-theoretischen Überbau, werden geometrische Formen mit dem utopischen Anspruch verbunden, Vollkommenes hervorzubringen, ein neues, säkulares Weltbild zu schaffen. Spiritualität und politische Umwälzung gehörten mitunter zum pathetischen Leitgedanken einer auf der Geometrie fußenden ungegenständlichen Kunst. In den 1960er Jahren hingegen strebt der auf meist einfachen geometrischen Grundstrukturen basierende Minimalismus als Gegenbewegung zur gestischen Malerei nach Reduktion, Objektivität, Klarheit und Logik.

Sympathisierend bedient sich Tamara Lorenz beider Sprachen – jener der Logik und jener des Pathos; Nicht jedoch, ohne die Extreme mit einer Mischung aus Leichtigkeit, Witz und Ironie zu unterlaufen und sich selbst irgendwo dazwischen, vielleicht im Hier und Jetzt, zwischen Wahrheit und Wirklichkeit, anzusiedeln, um so schließlich die Schönheit der alltäglichen Unvollkommenheit zu ehren.

www.tamaralorenz.de

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